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Er
war zwar noch ein recht junger Polizist, spielte sich aber auf, als
hätte er schon Jahrzehnte in diesem Beruf zugebracht. Auf seinem
Beifahrersitz hatte er einige Tüten Chips, Chilisauce zum Dippen,
zwei Büchsen Cola und zwei Zeitschriften mit vielen barbusigen
Frauen. Doch im Moment schaute er nur zu der Eingangstür.
Schließlich nahm er seinen Beruf halbwegs ernst und bei dem Verdächtigen
handelte es sich wohl um einen besonders schweren Jungen. Deshalb
griff er auch immer wieder blind zu den Chips, versuchte einen
davon, ohne hinzusehen, mehr oder weniger erfolgreich in die
Chilisauce zu tunken. In den ersten fünfzehn Minuten passierte
wirklich nichts. Und da der junge Polizist keine Lust hatte, ständig
auf diese blöde Eingangstüre zu sehen, nahm er sich eine der
Zeitschriften.
Er hielt sie aber so hin, daß er mit einem Augenaufschlag sofort
die Türe im Blick hatte. Die Eingangstüre gehörte zu einem zehnstöckigen
Hochhaus, obwohl das Wort Hochhaus eigentlich nicht so ganz zutraf.
Hochhäuser beginnen in einer so großen Stadt wie dieser erst ab
dem dreißigsten Stockwerk. Mit so wenigen Stockwerken müßte man
sie eigentlich Niedrighäuser nennen. Außerdem stand dieses Haus
nicht gerade in Beverly Hills. Es war eher eine Gegend, in der man
nachts nicht vor die Türe geht und die Fensterläden geschlossen hält.
Die Wände hatten eine grau-braune Färbung und etwa bis zur Augenhöhe
waren einige sehr schlechte Graffitis aufgemalt. Fenster gab es bei
diesem Haus erst ab dem ersten Stockwerk. Etwa alle vier Meter war
eines in das Mauerwerk eingelassen. Vermutlich waren die Wohnungen
in diesem Haus etwa genauso groß und hatten eben nur dieses eine
Fenster.
Vor den meisten Fenstern waren die Rollos herunter gelassen. Nur bei
zwei Fenster hätte man hinein sehen können. Eines davon befand
sich direkt über dem Eingang. Das andere war ganz weit links.
Hinter diesem schien aber wohl niemand zu wohnen, denn man konnte
keine Vorhänge, keine Deckenbeleuchtung, nichts erkennen. Doch das
direkt über dem Eingang schien bewohnt zu sein. Drinnen brannte ein
rotes Licht und es hingen rote, aufgezogene Vorhänge dahinter.Immer
wieder ertappte ich den jungen Polizisten wie er magnetisch von
diesem Fenster angezogen hinsah. Es war ja auch etwas Besonderes,
wenn man in einer sonst so farblosen Gegend ein Fenster entdeckte,
hinter der sich Leben abspielen könnte.
Zumindest konnte man sich Leben dahinter vorstellen. Deshalb mußte
sich der Polizist immer wieder zwingen nicht das Fenster, sondern
die Türe im Blick zu behalten. Doch es passierte immer noch nichts.
Ich schaute dem Polizisten über die Schulter und las einen Bericht
über den einzig wahren Orgasmus den eine Frau je erreichen könnte.
Er sei so großartig, daß die Frau ihn nie wieder vergessen würde
und sie könne ihn jederzeit durch Reiben einer bestimmten Körperstelle
wieder erreichen.
Solche und ähnliche Berichte liest man immer wieder. Und immer
wieder fallen gutgläubige Männer darauf herein und kaufen solche
Magazine nur aus diesem einen Grund.
Frauen, die solche Berichte lesen, würden darüber wahrscheinlich
nur lachen oder es tatsächlich ausprobieren. Dafür kaufen sie
widerum die Magazine in denen man ihnen verspricht die einzig wahre
Diät erfunden oder entdeckt zu haben.
Fast hätte der junge Polizist über diesen Bericht vergessen auf
die Türe zu sehen. Er schaute zufällig hoch, als auf einmal ein
Mann kam, zu dieser Türe ging, sie öffnete und im Haus verschwand.
Der Polizist nahm sofort ein Foto aus der Jackentasche und schaute
sich das Bild vergleichend an. Dann nahm er das Funkgerät und
meldete, daß er den Mann in das Haus hinein gehen sah. Die Zentrale
bestätigte seine Funkmeldung und wies ihn an, sich wieder zu melden
wenn der Mann wieder heraus kommt.
Und wieder widmete der Polizist seine ganze Aufmerksamkeit dieser Türe.
Die Zeitschrift hatte er auf den Beifahrersitz gelegt. Stattdessen
nahm er die Chipstüte und legte diese auf seinen Schoß. Die
Chilisauce stellte er auf das Amaturenbrett, so konnte er die Chips
leichter und vor allem zielsicherer hinein tunken.